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Der Pinsel-Zen-Weg

ensoAstrid Hörr-Mann hat bei einem japanischen Zen-Meister eine spezielle Form des Tusche-Schreibens kennengelernt. Um was es bei dieser Pinsel-Kunst-Meditation geht, ist sehr interessant. Es geht nicht unbedingt darum, dass es nachher schön aussieht, sondern darum, dass man es tut. Wie soll das gehen? Wenn euch das interessiert, lest einfach weiter.

 

Liebe Kinder, ich möchte euch berichten von einer interessanten spirituellen Pinselpraxis, die ich im letzten Jahr bei einem japanischen Zen-Meister kennengelernt habe:

Es ist der sogenannte Pinsel-Zen-Weg, auf Japanisch heißt das HITSUZENDO. Hitsu heißt Pinsel, Zen ist Zen und Do bedeutet Weg.

Am Anfang übt man einfache Linien und Kreise…doch was heißt überhaupt einfach? Erst habe ich gedacht, das kann doch nicht schwer sein, nur Linien oder einen Kreis zu malen. Doch beim Ausprobieren habe ich gemerkt, was das Besondere an einem Strich sein kann. Wenn man ganz der Stille lauscht –es ist nämlich absolut still bei dieser Sache- und jede Bewegung in Zeitlupe ausführt, fühlt sich alles plötzlich ganz anders an: so klar. Und ein einfacher Strich wird wichtig.

ensoDas bekannteste Bild oder Symbol im Zen-Buddhismus ist der Kreis. Auf Japanisch Enso. Einen Kreis in meditativer Versenkung zu malen ist für manche Zen-Übende tägliche Praxis. Je nachdem, wie dieser Kreis dann aussieht, zeigt er den Praktizierenden, wie sie an diesem Tag drauf sind. In welcher Stimmung sie sich befinden. Ich habe das auch bei mir selber gemerkt. Als ich einmal wirklich gut gelaunt am Morgen den Pinsel in die Hand nahm und einen Kreis gezogen habe, da spiegelte sich in diesem Kreis meine Fröhlichkeit. Es war ein lächelnder Kreis geworden, obwohl weder Augen noch Mund zu sehen waren.

Dabei geht es beim Malen eines Kreises hier nicht um das Ergebnis. Es ist nicht wie in der Schule, dass der schönste Kreis eine Note 1 bekommt. Denn wer soll bestimmen, was der schönste Kreis ist? Wie sieht denn ein Kreis aus, den ihr als schönsten bezeichnen würdet? Probiert es einmal selbst aus. Wie man das macht, erkläre ich euch in der Rubrik „MACHEN

Ein mit der Hand und einem dicken Pinsel gemalter Kreis kann niemals perfekt rund sein. Deshalb ist er Sinnbild für das Leben und das ständige Bemühen um unerreichbare Perfektion. Denn wie ihr selbst schon wisst, ist nicht jeder Tag gleich. Ein japanischer Spruch lautet: Nichi Nichi Kore Kojitsu. Das bedeutet : jeder Tag ist ein guter Tag. Manche Tage laufen nicht wie geplant: ihr wolltet einen Ausflug machen doch jetzt regnet es und die Laune ist megaschlecht. Da könntet ihr euch zum Beispiel einen Pinsel schnappen und einen dicken schwarzen traurigen Klecks auf ein Papier spritzen. Und wenn ihr dann eine Weile so vor eurem Klecks sitzt und spürt, wie sich die Stimmung verändert (und das tut sie so sicher wie das Wetter) denkt ihr vielleicht an die Geschichte mit dem Enso und malt ein paar Kreise vor euch hin. Ihr erinnert euch, dass der Kreis, genau  wie das Leben, nie perfekt sein kann. Und so kann euer Kreis euch plötzlich mit zwei Ohren und einem zwinkernden Auge überraschen…

Anfängergeist

SHODO, der Weg des Schreibens, ist schon etwas bekannter bei uns im Westen. Sho heißt Schreiben auf Japanisch und Do Weg. Vielleicht habt ihr schon Pinselzeichnungen von japanischen Schriftzeichen gesehen. Man setzt oft nur ein Zeichen(Kanji) oder einen Spruch auf ein Blatt Papier und achtet darauf, dass jeder Pinselstrich den richtigen Platz und die richtige Größe bekommt. Die leere Fläche ist in der japanischen Kunst nämlich sehr wichtig. Auch kann man nichts korrigieren oder verbessern; so ist eine besondere Aufmerksamkeit und Konzentration nötig. Es gibt eine genaue Abfolge und Reihenfolge beim Schreiben.

Das besondere beim HITSUZENDO, dem Pinsel-Zen-Weg ist, dass das Schreiben zu einem bestimmten Ritual wird, bei dem die Atmung eine bedeutende Sache ist: auf dem Boden kniend wird zuerst meditiert. Zazen, so heißt die Sitzmeditation im Zen, davon habt ihr vielleicht schon gehört. Dann wird sehr langsam und sehr achtsam mit einem weichen Pinsel die Tusche aufgenommen. Es ist ein großer Pinsel. In einer kraftvollen Bewegung, die aus der Körpermitte, dem Hara kommt, wird der Pinsel über das Papier geschwungen. Das geschieht gleichzeitig mit dem bewussten Ausatmen. Dabei kann man auch ein Geräusch machen; z.B. finde ich es befreiend mit einem brummenden Hooouuu auszuatmen (Jeder kann das machen wie er mag, laut oder leise…), während der Pinsel seine Spur findet. Das Bild dauert quasi ein Ausatmen lang, daher hat es meist nicht so viele Pinselstriche. Diese Verbindung mit dem Atem ist sehr wichtig und ein Unterschied zum Shodo. Auch kommt es beim Shodo etwas mehr auf die Schönheit des Ergebnisses an.

Das Schreiben ist immer ein Weg (Do) der Meditation, bei dem man allerdings nicht den Körper stillhält, wie bei der Sitzmeditation. Der Prozess des Schreibens bringt den Übenden in seine Mitte und in Verbindung mit seiner wahren Natur. 

Ein paar der japanischen Schriftzeichen, die häufig mit dieser Technik kalligraphisch auf das Papier geschrieben werden, habe ich hier für euch geschrieben:

 

Chidas Chi symbolisiert die Lebensenergie

 

hitsuzendo 013kleinbeim Yuu kann man doch fast erahnen, dass es Mut bedeutet, was meint ihr?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

hitsuzendo 007kleinDas Zeichen für Herz ist Korono. Wird es Teil eines anderen Kanjis heißt es Shin

 

 

 

 

 

 

hitsuzendo 005kleinMushin (Zenbegriff  für einen befreiten Geist, Mu =Leere)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

HeijoshinHeijoshin (Hei: ruhig , Jo: konstant  und Shin: Herz. Also etwa= ruhiger Geist in jeder Situation)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer jetzt Lust hat selbst einmal zum Pinsel zu greifen, findet hierzu eine Anleitung unter Kalligrafieren.

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